Der im Miesbacher Alpenland in Oberbayern gelegene, ausgedehnte Klarerhof der Familie Leitner erstreckt sich über 200 Hektar, die sich grob in Wald und Weiden aufteilen lassen und wo eine Herde mit 36 Simmental-Milchkühen sowie Jungtiere grasen.

Landwirt Kajetan Leitner hat sich schnell neue Technologien zunutze gemacht, die ihm bei der Milchviehwirtschaft helfen; dazu gehören die Investition in neue Ställe und Melkeinrichtungen sowie die Nutzung von Diversifizierungsmöglichkeiten, die zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit des Betriebs beitragen.

Kernbereiche der Nachhaltigkeitspraxis

Zertifizierung und Versicherung

Herr Leitner ist Mitglied des unabhängigen Prüfsystems für Lebensmittel-QS. Die geprüften kritereien reichen von der Tiergesundheit bis zu ökologischen Anforderungen. Das QS-Prüfzeichen fungiert als Garant landwirtschaftlicher Produktionsmethoden und stärkt so das Konsumentenvertrauen und verbessert die Marktgängigkeit des vom Betrieb erzeugten Rindfleischs.

Management

Der Betrieb arbeitet mit einer Zweinutzungsrasse (Simmentaler oder Fleckvieh) mit einem durchschnittlichen Milchertrag von 7.800 Litern und vier Laktationen (mit dem Ziel der Erhöhung auf acht). Aufgrund der guten Wachstumsraten und des hohen Schlachtkörpergewichts der Simmentaler werden auch für Kühe und Bullenkälber hervorragende Preise gezahlt.

Alle Kühe sind mit einem Halstransponder ausgestattet, der ihr Bewegungs- und Aktivitätsniveau misst. Dieses System bietet eine Genauigkeit von 80-90 % bei der Brunsterkennung. Darüber hinaus kann die Feststellung eines Abfalls des normalen Aktivitätsniveaus einer Kuh helfen, Verletzungen oder Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Der Hof nutzt auch ein Handheld-Gerät zum Aufzeichnen von Behandlungen und täglichen Managementaktivitäten. Diese Informationen werden dann auf den Hauptcomputer des Betriebs geladen.

Die ganze Herde hat während der Weidezeit im Sommer Zugang zu den Weiden, wodurch die Futterkosten während der warmen Jahreszeit gesenkt werden können.

Vier Ferienwohnungen mit insgesamt 20 Betten für Touristen in der Alpenregion generieren zusätzliches Einkommen.

Gesundheit und Wohlergehen von Tieren

Ein automatisches Melksystem (AMS) befreit die Familie von der zeitaufwendigen täglichen Melkroutine, was eine wertvolle Einsparung für den kleinen Hof darstellt. Das AMS spart je eine halbe Arbeitskrafteinheit pro 70 gemolkenen Kühen ein. Außerdem kann die Kuh dank dieses Systems selbst entscheiden, wann sie gemolken wird, was ihren Stress reduziert.

Kühe müssen 10 bis 14 Stunden pro Tag liegen, und die Offenställe des Hofs mit strohbedeckten Gummimatten bieten einen komfortablen Liegebereich. Gesunde Kühe sind produktiver, und eine erhöhte Lebenserwartung der Kühe verbessert die Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Für Kühe gehört die Fellpflege zu ihrem natürlichen Verhalten, und der Hof hat automatische Bürsten in allen Bereichen installiert, in denen Tiere untergebracht sind; die Häufigkeit, mit der die Kühe die Bürsten nutzen, zeigt, dass sie einen wertvollen Beitrag zum Verringern von Stress in der Herde leisten.

Der Hof nutzt die automatisch kontrollierte natürliche Lüftung (AKNL), bei der Temperatursensoren zum mechanischen Öffnen und Schließen von Jalousien genutzt werden. Eine gute Belüftung verhindert Hitzestress, der eine Verringerung der Milchproduktion um bis zu 15 % verursachen kann.

Zusätzlich hat der Hof in ein automatisches Entmistung investiert, welches die Berührungsdauer der Klauen mit der Gülle verringert; das Ergebnis ist eine Absenkung der Lahmheitsfälle auf ein vernachlässigbares Niveau.

Wasser

Ein System zur Regenwassergewinnung spart dem Betrieb über 500 EUR pro Jahr.

Artenvielfalt und Ökosysteme

Das Gelände des Hofs umfasst ein 150 Hektar großes Gebiet mit hohem Erhaltungswert, von dem ein Großteil ein besonderes Schutzgebiet ist und welches einen natürlichen Lebensraum für die Flora und Fauna der Region darstellt.

Klimawandel

Der Hauptkuhstall wurde aus Holz von hofeigenen Bäumen gebaut, wodurch keine CO2-intensiven Baustoffe erforderlich waren.

Einsparungen bei den Stromkosten gelingen dem Hof, indem die frische Milch direkt von der Kuh durch einen Plattenkühler geleitet wird. Auf diese Weise wird die in der Milch enthaltene Hitze an das Wasser abgegeben, das wiederum zum Vorwärmen des Trinkwassers der Kühe genutzt wird.

Produktionsqualität

Eine von DeLaval entwickelte Technologie misst die somatische Zellzahl der Milch jeder einzelnen Kuh und bei jedem Melkvorgang, wodurch Probleme bei der Eutergesundheit wie Mastitis schnell festgestellt und behandelt werden können. Die frühzeitige Feststellung von Entzündungen verringert deren Schweregrad, verbessert die Kontrolle und verringert Strafgelder infolge von geringer Milchqualität.

Erfahren Sie mehr über die Geschichte von Kajetan Leitner

Lesen Sie die Fallstudie, und erfahren Sie mehr darüber, wie der Hof im Vergleich zu den Standards und Kriterien für bewährte Verfahrensweisen des Programms abgeschnitten hat, was externe Forschung über das Vorgehen des Erzeugers offenbart und wie er von mehr Nachhaltigkeit profitiert.

Vollständige Fallstudie lesen (PDF, 1,2MB)

„Die Einführung eines automatischen Melksystems hat uns eine flexiblere Einteilung unseres Arbeitstags ermöglicht. Ein Ansatz, der nicht nur uns gelegen kommt, sondern auch unseren Kühen. Da dieses System zudem gut mit weiteren implementierten Systemen zusammenarbeitet, ist gewährleistet, dass unsere Kühe entspannt und stressfrei sind. Die Auswahl als Flagship Farmer freut uns sehr.“

Kajetan Leitner Klarerhof der Familie Leitner, Deutschland